Fall Break Trip
20. Oktober 2010So meine Lieben, da endlich mal wieder etwas erzählenswertes bei mir passiert ist, melde ich mich nun mal wieder.
Da es hier als Herbstferien ein verlängertes Wochenende gab, wollte ich das nutzen und etwas unternehmen. Netterweise hat Lorena, eine sehr liebe und lustige Amerikanerin, die bei mir auf dem Stockwerk wohnt, zusammen mit ihrem Freund Andy angeboten, mir und Vedita, einer Inderin, die ebenfalls hier wohnt, uns Mount Rushmore in South Dakota zu zeigen. Allen, denen Mount Rushmore nichts sagt, sagt sicher der Berg mit den vier eingemeißelten Präsidentköpfen etwas. Ja, genau den sollten wir also gezeigt bekommen! Vedita und ich konnten es kaum erwarten!!!
Weil Lorena am Samstag noch arbeiten musste, konnten wir erst abends aufbrechen. Nach 3 1/2 Stunden Fahrt kamen wir kurz vor Mitternacht in North Platte an, wo Lorenas Familie wohnt und wir die Nacht über bleiben konnten. Doch viel Schlaf haben wir uns nicht gönnen können; am nächsten Morgen sind wir um 4 Uhr schon wieder geweckt worden und eine Stunde später saßen wir dann auch wieder im Auto Richtung South Dakota. Nach circa 6 Stunden Fahrt und Überquerung einer Zeitzone (wir gewannen dadurch eine Stunde, aber es fühlte sich schon irgendwie komisch an, dass einfach ein Schild, an dem man vorbeifährt eine Stunde Unterschied machen soll) näherten wir uns Mount Rushmore. Unser Weg führte uns durch den schönen Custer State Park (obwohl ich immer noch nicht verstehe, wie man nach dem großen Verlierer der Schlacht am Little Big Horn einen so tollen Park benennen kann), wo ich auch zumindest zwei Bisons in freier Wildbahn entdecken konnte und durch die Black Hills. Jeder der die Bücher “die Söhne der großen Bärin” gelesen hat, wird nachvollziehen können, wie sehr ich mich darüber freute endlich den Schauplatz eines meiner absoluten Lieblingsbücher als Kind mit meinen eigenen Augen sehen zu können! Dann legten wir einen kurzen Zwischenstopp am Denkmal einem der berühmtesten und letzten Sioux-Krieger, Crazy Horse, ein. Dieses, ebenfalls in Fels gehauene Monument soll wohl das größte der Welt sein. Doch obwohl der erste Pickelhieb schon 1948 getätigt wurde, ist bis heute nur sein Kopf und sein ausgestreckter Arm fertig; von dem Rest des Oberkörpers und des Vorderteils des Pferdes ist noch nichts zu erkennen. Ich bin mal gespannt, wann bzw. ob jemals dieses Denkmal fertiggestellt werden wird. Aber wenigstens gestehen die Amerikaner den Indianern ein Denkmal zu, das muss ja auch mal gewürdigt werden!
Doch nun ging es endgültig zu Mount Rushmore! Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel sahen die fast weiß wirkenden Köpfe von Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln wirklich phänomenal aus!!! Aber auch so beeindruckend es aussah, in Realität wirken diese Köpfe gar nicht so groß bzw. kleiner als man es sich auf Bildern immer vorstellt. Nachdem wir viele Fotos von der Aussichtsplatform gemacht und Abraham Lincoln am Kinn gekrault hatten, begaben wir uns auf den “Presidential Trail” der uns durch Pinienwälder ganz nah unterhalb des Felsen vorbeiführte. Dort lernten wir nicht nur etwas über die Präsidenten, sondern stellten auch fest, dass Washington etwas schielt ;-)
Anschließend brachten uns Andy und Lorena zu “Cosmo”. Das steht für eine abgelegene Stelle im Wald, wo die Schwerkraft etwas verrückt zu spielen scheint. Dieser Ort wurde 1952 von zwei Jungs entdeckt und dann publik gemacht, denn dort neigen sich die Bäume alle in eine Richtung und es gibt viele optische Illusionen in einer kleinen Hütte, die ganz schief und krumm im Wald steht: Wasser scheint bergauf zu fließen, die Größenverhältnisse scheinen sich zu ändern, je nachdem wo man steht, ein Pendel zeigt nicht vertikal zum Boden und ein Tennisball bleibt völlig ruhig auf einer anscheinend schiefen Oberfläche liegen. Woran das Ganze liegt, weiß “man” nicht, es hat vermutlich bzw. angeblich etwas mit dem Magnetfeld zu tun, was hier gestört ist, aber vielleicht wurden wir auch nur mit optischer Illusion und verschiedenen Winkeln, die alles andere als 90 Grad sind, hereingelegt. Auf jeden Fall war es spannend und lustig.
Nachdem wir kurz etwas gegessen hatten, fuhren wir in einen Wildtierpark, wo wir von unserem Auto aus Grizleybären, Büffel, Berglöwen, Rentiere und noch einige andere typisch nordamerikanische Tierarten begutachten durften. Es war echt toll, diese Tiere aus solcher Nähe sehen zu können, obwohl Lorena ständig Angst um ihr Auto hatte, weil sie - nicht zu Unrecht - befürchtete, dass ein Büffel oder Bär ihrem Auto zu nahe kommen könnte.
Nach über zwei Stunden dort, fuhren wir ziemlich müde ins Hotel. Trotzdem wollten wir eigentlich noch in den Wasserpark, der an unser Hotel angeschlossen war, aber nachdem wir erfuhren, dass dieser nicht inklusive war und wir für die verbleibenden anderthalb Stunden noch 38 $ zahlen sollten, entschieden wir uns dagegen und kauften stattdessen noch geschwind etwas zu essen. Den Abend verbrachten Vedita und ich auf unserem Zimmer, während Lorena und Andy ausgingen.
Der nächste Tag began für uns um 7 Uhr und nachdem wir gefrühstückt und ausgecheckt hatten fuhren wir zu “Wall Drug”, einem kleinen auf Westernstyle gemachten Touri-und Souvenirort. Dort bumelten wir etwas durch die Läden, machten lustige Fotos, aber vom Hocker gehauen hat mich dieser Ort nicht. Eigentlich hatten wir noch vor, dort ins Wounded Knee Museum zu gehen, aber als ich auf Postern Bilder von den “Badlands” gesehen hatte, die dort ganz in der Nähe sind, überredete ich die anderen dazu, dass wir doch lieber dorthin gehen sollten, bevor wir uns endgültig wieder auf den Heimweg machen mussten.
So fuhren wir also zum “Badlands National Park” und ich kann nur sagen die 15 $ Eintritt pro Person waren die Sache absolut wert!! Ähnlich wie beim Grand Canyon haben hier Luft, Wasser und Erosion zu bizarren Felsformationen geführt, die wirklich einfach nur atemberaubend sind. Ursprünglich wollten wir nur eine Stunde dort verbringen, weil wir ja noch acht Stunden Autofahrt vor uns hatten und Lorena nicht zu spät daheim ankommen wollte, weil auf sie noch ein Berg Hausaufgaben wartete, doch die Badlands zogen uns einfach in ihren Bann, denn nach jeder Kurve überraschte uns eine neue, überwältigenden Aussicht!! So wurde ganz schnell aus einer Stunde drei! Ich glaube, die Badlands waren mein persönliches Highlight des ganzen Trips!
Um halb 3 traten wir aber endgültig den Heimweg an, da wir ja auch noch Lorenas Klamotten, die sie auf dem Hinweg bei ihrer Mutter zum Waschen abgeladen hatte, wieder einsammeln mussten. Die Heimfahrt durch ein Indianerreservat und die wunderschöne Prärielandschaft war der perfekte Ausklang für diesen tollen Ausflug und schließlich kamen wir auch Abends um halb zwölf müde, aber heil und hochzufrieden in Lincoln wieder an.
Soweit mein Bericht. Ich hoffe, ich kriege es bald hin, Bilder zu verlinken, damit Ihr auch besser nachvollziehen könnt, was ich so erlebt habe.
Fühlt Euch alle ganz lieb gedrückt,
Eure Ariane